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Arbeitskampf (von Andy)

Motiviert setze ich mich an meinem Schreibtisch. Es ist ein sonniger Samstagvormittag und ich komme gerade vom Laufen zurück. Morgens gehe ich in letzter Zeit öfters meine Runden drehen im Park. Das reinigt den Kopf und wenn ich zurückkomme, fühle ich mich so richtig energiegeladen, dass ich am liebsten den Baum vor dem Haus ausreißen möchte. Bevor es soweit kommt, denke ich allerdings daran, was das für einen Eindruck auf die Nachbarn machen würde, wenn ich anfangen würde den Baum zu umarmen, weswegen ich die Pflanze in der Regel in Ruhe lasse.
Ich sollte auch besser die Hausarbeit für die Uni anfangen, deren Abgabetermin langsam in Sicht kommt. So setze ich mich wie gesagt an den Schreibtisch und fahre den PC hoch. Während der bootet, mache ich in meiner kleinen Einbauküche eine Tasse Kaffee, mit Milch aber ohne Zucker. Der vertraute Windows Jingle ertönt aus meiner 2.1-Anlage. Aus der Küche hole ich noch schnell einen Unterleger für die Kaffeetasse und setze mich wieder auf meinen Bürostuhl. Da es ja noch früh am Tag ist, öffne ich meinen Browser, um bei Spiegel-Online die aktuellen Nachrichten zu überfliegen. Viel Interessantes finde ich nicht, bis ich auf einen Artikel stoße, indem eine BaFöG-Erhöhung für 2010 angekündigt wird, was für mich natürlich sehr wichtig ist, weshalb ich den Artikel von Anfang bis Ende durchlese. Beschwingt von dieser guten Nachricht starte das Schreibprogramm und beobachte wie sich das Bild auf den Bildschirm langsam verändert. Sehr bald schaut mich eine große weiße Fläche an.

Ich sollte eventuell meine Emails abrufen und während der Donnervogel zum Briefkasten fliegt, um die Post zu holen, nehme ich eine großen Schluck Kaffee. Mit einem leisen "Pling" öffnet sich die Liste der ungelesen Nachrichten. Es ist viel Müll dabei, nur das StudentenVerZeichnis hat mir geschrieben, dass eine Freundin mir geschrieben hat. Erwartungsvoll stecke ich den Donnervogel zurück in den Käfig und nehme den Feuerfuchs an die Leine. Die rot-weiße Startseite meines drittliebsten social networks öffnet sich alsbald und ich gebe meine Logindaten ein. Der Emailer hat nicht gelogen, denn ich habe tatsächlich eine neue Nachricht bekommen, in der mich die Freundin fragt, ob ich am nächsten Abend etwas vorhätte. Ich hebe mir die Antwort für später auf und wechsle wieder zum Schreiber.
Die weiße Fläche ist leider immer noch da. Ich tippe vorsichtig den Titel der Arbeit ein und formatiere ihn schön. Auch der Rest vom Deckblatt geht schnell von der Hand. Unter diesem folgt leider wieder ein leeres Blatt, das mich erwartungsvoll anstarrt. Ich starre eine Weile zurück. Dann beginne ich vorsichtig die Einleitung zu schreiben. Am Ende ist ein Viertel des Blattes gefühlt. Ich erhöhe den Zeilenabstand, wodurch der Text gleich nach viel mehr aussieht. Zur Belohnung mache ich mir eine frische Tasse Kaffee und starte den Instant Messanger. Eine weiterer Freund schreibt mich fast ohne Verzögerung an und mir fällt ein, dass ich der Ersten noch nicht geantwortet hatten. Während wir über ein paar Belanglosigkeiten plaudern, rufe ich wieder mein drittliebstes social network auf und begebe mich ohne allzu große Umwege in mein Postfach. Ich schreibe ihr, dass ich am Abend nichts unternehmen könne, weil meine Hausarbeit leider immer noch nicht ganz fertig ist. Dann schließe ich den Browser und widme mich wieder voll und ganz dem Instantgespräch. Der Freund ist inzwischen dazu übergegangen mir diverse Youtubevideolinks zu schicken. Ich habe schon ein etwas schlechtes Gewissen wegen dem weißen Blatt, das mich immer noch finster anblickt.
Der Browser öffnet sich wieder und ich sehe, dass er mir den Link zu einem Ausschnitt aus meiner amerikanischen Lieblingsserie geschickt hatte. Ich klicke mich die nächsten Minuten durch die diversen Videovorschläge von youtube und merke gar nicht wie die Zeit vergeht. Das Instantgespräch führe ich nebenher und aus dieser Trance wache ich erst wieder auf, als der Donnervogel mich darüber informiert, dass das Studentenverzeichnis mir geschrieben hat. Um die Sache abzukürzen begebe ich mich direkt dorthin und sehe, dass die Freundin mir schon geantwortet hatte: "Schade dass du heut nicht kannst. Wieso hast du die arbeit denn noch nicht fertig? Ich hab das schon vor zwei Wochen erledigt. Bis Montag hdl Anna"
Das schlechte Gewissen und das leere Blatt arbeiten auf mich ein und ich fliehe in mehr oder weniger sinnvolle Ausweichhandlungen. Nach einem Blick auf die Uhr stelle ich fest, dass es schon später Nachmittag ist.
Der Instantmessanger piept immer noch unablässig. Ich bücke mich und drücke auf den Netzschalter des PCs. Der Bildschirm wird kurz darauf schwarz und das Summen des Lüfters erstirbt.
Den restlichen Tag und die Nacht arbeite ich jetzt durch, um die leeren Blätter zu füllen. Untermalt wird diese Tätigkeit vom gleichmäßigen Tackern von Opas Schreibmaschine, welche ich aus dem Keller befreit habe.

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